Wie können Allianzen eine Praxis der Fürsorge und Verantwortung sein? (In Kooperation mit maiz)
„The most successful coalitions are ones that seek to achieve social change goals at the same time as they strengthen the organizations that participate in them.“
— Amanda Tattersall (2010)
Radikale gesellschaftliche Veränderungen lassen sich nicht allein erkämpfen. Bündnisse und Vernetzungen — ob transnational, lokal oder im eigenen Grätzl — sind seit jeher wesentliche Bausteine kollektiven Wandels. Doch starke Bündnisse entstehen nicht von selbst. Sie erfordern konkretes Handeln, aufmerksames Zuhören und Reflektieren sowie Räume für Großzügigkeit und Fürsorge.
In diesem Kurs greifen wir auf die Erfahrung und Prinzipien von maiz zurück — einer selbstorganisierten Migrant*innen-Initiative, die seit 1994 in Österreich aktiv ist. maiz verbindet politisches Engagement, kritische Bildung, Beratung, Kulturarbeit und Emanzipation. Sie setzt sich kritisch mit bestehenden Machtstrukturen auseinander und strebt eine gerechtere Gesellschaft an.
Wir wollen gemeinsam verstehen, wie Bündnisse gelingen können — auch zwischen sehr unterschiedlichen Gruppen: NGOs, Graswurzelinitiativen, Jugendgruppen, migrantischen Communities, Aktivist*innen und mehr. Hierbei schauen wir auch auf die besonderen Herausforderungen — z. B. unterschiedliche Lebensrealitäten, Machverhältnisse und Ungleichheiten, die sich als Privilegien lesen lassen. Dabei wollen wir Strategien erwägen, wie wir bewusst und solidarisch mit den Unterschieden umgehen können, um Veränderungen zu bewirken.
Warum maiz?
maiz ist eine unabhängige Selbstorganisation von und für Migrantinnen in Österreich. Ziel ist es, ihre Lebens- und Arbeitssituation zu verbessern, ihre politische und kulturelle Teilhabe zu fördern und soziale Ungerechtigkeiten anzugehen.
Wesentliche Werte und Arbeitsprinzipien von maiz sind: Selbstorganisation, kollektive Selbstermächtigung, feministische und antirassistische Praxis, Partizipation und Selbstvertretung, sowie Anerkennung von Vielfalt — unabhängig von Herkunft, Aufenthaltsstatus, Geschlecht oder sexueller Orientierung.
Diese langjährige Erfahrung mit interkultureller Bildung, Beratung, Kultur- und Jugendarbeit macht maiz zu einem starken Partner, um über Bündnisse und kollektive Praxis nachzudenken und diese praktisch zu erproben.
Module
- Begriffliche Grundlagen: Bündnisse, Allianzen und Vernetzung — Konzepte, Debatten, Chancen
- Historische Beispiele & transformative Kooperationen — was wir aus der Vergangenheit lernen können
- Bündnisarbeit in der Praxis: Wie stärke ich Kooperationen zwischen unterschiedlichen Organisationen und Bewegungen? (Tools, Methoden, Stolperfallen)
- Macht und Ungleichheit: Wie gehen wir mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen innerhalb von Bündnissen um — z. B. Klassenprivilegien, Herkunft, Geschlecht, rechtlicher Status etc.
- Transnationale und interkulturelle Solidarität: Wie gestalten wir Bündnisse über Grenzen und Communities hinweg?
Dieser Kurs ist für dich
…du bereits Teil oder Mitglied eines Bündnisses, einer Initiative oder Organisation bist — oder Lust hast, neue Bündnisse zu gestalten.
…du interessiert bist, wie Bündnisse mit sehr unterschiedlichen Gruppen funktionieren können — z. B. migrantische Communities, Graswurzelgruppen, NGOs, politische Bewegungen, Jugend- oder Kulturinitiativen.
…du frustriert bist, weil Bündnisse, in denen du bist, manchmal zerreißen, ins Leere laufen oder sich wiederholen — und du Lust hast, gemeinsam mit anderen neue, tragfähige Strukturen zu entwickeln.
…du offen bist für eine kritische Auseinandersetzung mit Macht, Privilegien, kulturellen Differenzen und Solidarität — und selbst aktiv mitgestalten willst.
Eigene Erfahrungen sind hilfreich, aber keine Voraussetzung — wichtig sind Engagement, Offenheit und der Wille zur Zusammenarbeit.
Lernziele / Nach dem Kurs …
…kennen die Teilnehmer*innen zentrale Konzepte, Prinzipien und Methoden gelingender Bündnisarbeit.
…haben sie Einblick in konkrete historische und aktuelle Beispiele erfolgreicher Allianzen und Kooperationen.
…können sie einschätzen, welche Chancen und Schwierigkeiten unterschiedliche Organisationsformen und Ausgangslagen mit sich bringen.
…entwickeln sie konkrete Ideen und Strategien, wie Bündnisse in ihrem eigenen Kontext aufgebaut, gepflegt und weiterentwickelt werden können — solidarisch, inklusiv und transformativ.
Trainers
Martyna Lorenc
maiz
Martyna Lorenc (Marty/sie) arbeitet für maiz - das autonome Zentrum von und für MigrantInnen. Marty bewegt sich an der Schnittstelle künstlerischer, pädagogischer, sozialer und politischer Arbeit als darstellende Künstlerin, Pädagogin und Koordinatorin. Sie arbeitete viele Jahre als Tänzerin und Performerin mit verschiedenen Künstler*innen der freien Szene und entwickelte parallel eigene Projekte. In ihrer künstlerischen Praxis erforscht Marty Somatik und Imagination als poetische und widerstandsfähige Dimensionen des Lebens sowie als Handlungsfelder gesellschaftlicher Transformation. Ihre Projekte entstehen meist kollektiv und in selbstorganisierten Kontexten.
Seit 2018 ist Marty Teil des LAB ON STAGE Kollektivs und gründete 2024 das fem*voice kollektiv mit. Seit 2020 ist Marty bei maiz – Autonomes Zentrum für und von Migrantinnen – an der Konzeption, Organisation und pädagogische Begleitung von Jugendprojekten mit den Schwerpunkten Antidiskriminierung, Gewaltprävention und Gleichberechtigung mit Einsatz künstlerischer Methoden beteiligt.
In den letzten Jahren leitet Marty als Facilitator Workshops und Gruppenaktivitäten in verschiedenen Kontexten, die tanz- und theaterpädagogische, körper- und imaginationszentrierte Methoden sowie Ansätze im Bezug auf antihierarchische und antidiskriminatorische Raumgestaltung einbeziehen.
Letícia Carneiro
Letícia Carneiro (sie/ihr) arbeitet für maiz - das autonome Zentrum von und für MigrantInnen. Sie ist in Brasilien geboren und aufgewachsen. Als privilegiertes Kind in einem Land voller Kontraste studierte sie Sozialkommunikation und Rechtswissenschaften und machte später ihren Master in Rechtsphilosophie. In Brasilien arbeitete sie als Anwältin und Forscherin, bevor sie 2018 nach Österreich zog. 2019 schloss sie sich maiz an, einem Ort, der seitdem ihr Verständnis von Beziehungen, Gerechtigkeit und Solidarität geprägt hat. 2025 hat Letícia den Lehrgang “Politische Erwachsenenbildung” (ÖGPB) abgeschlossen. Bei maiz ist Letícia sowohl im Bereich Sex & Work als auch im Leitungsteam tätig.